Flüchtlinge haben große Schwierigkeiten
Weißbuch Flüchtlinge und Asylbewerber im Saarland 2004 vorgestellt

Saarbrücken. Dem immer noch gängigen Vorurteil, Flüchtlinge und Asylbewerber nähmen Saarländern Arbeitsplätze weg und kosteten das Land viel Geld, begegnet jetzt das "Weißbuch Flüchtlinge und Asylbewerber im Saarland 2004". Diese von isoplan CONSULT in Saarbrücken im Auftrag von SEPA (Saarländische Entwicklungspartnerschaft für Flüchtlinge und Asylbewerber) zum zweiten Mal nach 2002 erstellte umfassende Bestandsaufnahme weist das nach. Eine umfangreiche statistische Analyse, gut 90 Expertengespräche und ebenso viele Flüchtlingsbiografien zeigen, dass Flüchtlinge sehr große Schwierigkeiten haben, auf dem deutschen Arbeitsmarkt eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu finden.

Eine Arbeitserlaubnis können sie erst nach einem Jahr Wartezeit beantragen. Eine Beschäftigung ist zudem seitens der Arbeitsagenturen mit hohen Hürden verbunden. Jährlich würden daher nur knapp 500 Arbeitserlaubnisse erteilt. Ein Zusammenhang zwischen erlerntem Beruf bzw. Qualifikation und ausgeübter Tätigkeit ist sehr gering. Beschäftigungschancen bestehen - wenn überhaupt - nur im Hotel- und Gaststättengewerbe, im Reinigungsgewerbe, in Schlachtereien und bei Zulieferbetrieben für Kebab-Imbisse. Auch für Jugendliche, die einen Ausbildungsplatz suchen, ist die Vorlage einer Arbeitserlaubnis Voraussetzung. Für sie ist es schon aufgrund dieser Hürde nahezu unmöglich, eine Ausbildungsstelle zu finden. Berufliche Karrieren der zum Teil hier aufgewachsenen Jugendlichen werden somit zerstört. Viele resignieren daher.

Zudem belegt der Bericht die seit Jahren rückläufigen Nettoausgaben für die rund 4600 Asylbewerber im Saarland mit einer Senkung von 29 Millionen Euro im Jahr 2000 auf 15 Millionen Euro im Jahr 2003. Ein Vergleich mit den Sozialhilfeausgaben bestätigt, dass die durchschnittlichen Pro-Kopf-Ausgaben für diesen Personenkreis "deutlich unter denen für Sozialhilfeempfänger" liegen.

Das Weißbuch steht ab Anfang Februar auch zur Einsicht im Internet unter www.equal-sepa.de (Publikationen) zur Verfügung.

Der Bericht thematisiert auch die allgemeine und psychische Gesundheit von Flüchtlingen. Psychisch instabile oder traumatisierte Flüchtlinge werden von einem in Lebach ansässigen Psychiater behandelt oder befinden sich im St. Nikolaus-Hospital in Wallerfangen bzw. dessen Tagesklinik in Lebach in Therapie. Während Männer oftmals unter ihrer im Krieg erlebten sowohl Täter- als auch Opferrolle leiden, wurden Frauen in vielen Fällen Opfer von (sexueller) Kriegsgewalt. Die Diagnose lautet in die meisten Fällen: Posttraumatische Belastungsstörung. Diese äußert sich durch Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten, Psychosen etc.. Für die Behandlung dieser Patientinnen/Patienten sei die Schaffung einer sicheren Zukunftsperspektive mitunter die wichtigste Voraussetzung, was unter aufenthaltsrechtlichen Gesichtspunkten in der Mehrzahl der Fälle jedoch kaum möglich ist.

In der Gemeinschaftsunterkunft Lebach sind zur Zeit rund 1600 Asylbewerber untergebracht. Zum gesellschaftlichen Leben in Lebach stellt der Bericht fest, dass Flüchtlinge kaum in das städtische Leben integriert sind. Auf dem Gelände der Unterkunft habe sich ein Eigenleben entwickelt. Dezentral in anderen Kommunen untergebrachte Flüchtlinge integrieren sich leichter in ihre Umgebung. Konflikte seien zwar vorhanden, erreichen jedoch kein kritisches Ausmaß. In den Schulen gestaltet sich die Integration relativ problemlos. Während sich Lebacher Schulen großzügig bei der Aufnahme von Flüchtlingskindern zeigen, lehnen manche weiterführenden Schulen in anderen Kommunen die Beschulung von Flüchtlingskindern ab.

28.01.2005

http://www.saar-echo.de/news.php?news_ID=18442