Beschäftigungspolitische
und sozialpolitische Zielsetzungen
Politischer Kontext
und übergeordnete Ziele der EP. Die europäische Beschäftigungsinitiative
EQUAL möchte Ungleichheiten beim Zugang zum Arbeitsmarkt und bei
der Nutzung beruflicher Chancen abbauen: Ungleichheiten auf Grund individueller
Behinderungen, des Geschlechts oder der Herkunft. Dieser Gleichheitsgrundsatz
soll für alle in der EU legal lebenden Personen gelten. In den
letzten Jahrzehnten haben sich die europäischen Staaten, die dieses
Gleichheitsprinzip für ihre Binnenstruktur akzeptieren schwer getan,
das gleiche Prinzip auch für Menschen gelten zu lassen, die von
ausserhalb der EU zuwandern. Zuwanderung nach Europa war teilweise nur
unter Berufung auf das Asylrecht möglich. Dieses wiederum war und
ist in den einzelnen europäischen Staaten unterschiedlich ausgestaltet,
sowohl hinsichtlich der Asyl begründenden Verfolgungstatbestände,
als auch der Verfahrenweisen während eines laufenden bzw. negativ
beschiedenen Asylverfahrens, sowie der Koppelung des Arbeitsrechts an
die unterschiedlichen Aufenthaltsgestattungen. Das individuell einklagbare
Asylrecht gehört zu den Besonderheiten der deutschen Asylverfahren.
Die gesetzliche
Ausgestaltung der Asylgewährung war in der deutschen Politik über
Jahrzehnte ein kontroverses und sensibles Thema. Erst in der letzten
Zeit scheint Bewegung in dieses politische Themenfeld zu kommen. Derzeit
stehen wir vor der Situation, dass alle im Bundestag und in den Landtagen
vertretenen Parteien feststellen, dass Deutschland ein Einwanderungsland
ist. Damit ist nicht nur eine Feststellung getroffen worden, die anerkennt,
dass ein Großteil der Bevölkerung in Deutschland aus Zugewanderten
besteht, damit ist auch die Voraussetzung für eine Einwanderungspolitik
geschaffen, die zugleich Komponenten einer Integrationspolitik umfasst.
Die demographische Entwicklung droht u.a. zu einem Arbeitskräftemangel
zu führen, dem durch Zuwanderung begegnet werden soll. Diese vorgesehene
und zum Teil bereits praktizierte Lockerung der Zuwanderung ("green
card"), bringt auch Bewegung in die Diskussion um die Personengruppen,
die derzeit mit unsicherem Aufenthaltsstatus in Deutschland leben und
weitgehend vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen sind (Asylbewerber, De-facto-Flüchtlinge
und Bürgerkriegsflüchtlinge). Diese Personengruppen leben
mit unsicherem Aufenthaltstatus zum Teil über längere Zeit
in Deutschland, wobei ihnen der Zugang zum Arbeitsmarkt aus unterschiedlichen
Gründen verwehrt ist. Der Ausschluss der Asylbewerber/innen vom
Arbeitsmarkt hat sozialpolitische und beschäftigungspolitische
Implikationen:
(1) Sozialpolitisch gesehen wird eine Gruppe von Menschen an einer
stabilen Entwicklung gehindert, das Verwahrlosungsrisiko und die Gesundheitsgefährdung
werden tendenziell erhöht (dies ist besonders eklatant im Fall
von Jugendlichen, die keine Chance zur Ausbildung erhalten); auch
werden Sozialhilfeträger zum Teil ohne Not belastet, da Asylbewerber/innen
ihren eigenen Lebensunterhalt verdienen könnten.
(2) Arbeitsmarktpolitisch
gesehen bleiben viele Stellen (besonders in Mangelberufen) unbesetzt,
die von Asylbewerber/innen besetzt werden könnten. Auch werden
die Asylbewerber/innen zum Teil in den illegalen Arbeitsmarkt verdrängt
mit den bekannten Folgen (Fortfall von Steuern und Sozialleistungen).
Unter dieser Perspektive
(neue Zuwanderungsdebatte einerseits, die sozialpolitischen und beschäftigungspolitischen
Folgen der Erschwerung des Zugangs zum Arbeitsmarkt für Asylbewerber
andererseits) ist eine Maßnahme zur Verringerung der Ungleichheit
für Asylbewerber/innen auf dem Arbeitsmarkt dringend geboten.
Dem steht auch der ordnungspolitische Gesichtspunkt nicht zwingend entgegen,
nach dem der Ausschluss von Asylbewerber/innen vom Arbeitsmarkt deren
Rückkehr befördern würde. Einen Beweis dafür gibt
es nicht, die Zahl der Asylbewerber scheint im Gegenteil nach den bisherigen
Erfahrungen nur von den Zugangsmöglichkeiten nach Deutschland abzuhängen,
nicht aber vom Zugang zum Arbeitsmarkt. Vielmehr könnten umgekehrt
Ausbildung und Beschäftigung in Deutschland eine Rückkehr
beschleunigen, da sie Voraussetzung für eine neue Existenz in der
Heimat sein könnten.

